Der Fachkräftemangel in der IT ist beispiellos. Cloud-Anbieter, IT-Beratungen, Banken-IT, Konzern-IT und Software-Hersteller suchen händeringend nach Personal – und öffnen sich aktiv für Quereinsteiger ohne klassischen Informatik-Lebenslauf.

Doch wie realistisch ist ein Quereinstieg in die Tech-Branche? Welche Voraussetzungen brauchen Sie, und was können Sie verdienen? Wir geben Ihnen eine ehrliche Einschätzung aus der Perspektive der Personalberatung.

Warum die Tech-Branche Quereinsteiger braucht

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut Bitkom fehlen in Deutschland aktuell rund 150.000 IT-Fachkräfte. Cloud-Migration, Cybersecurity-Anforderungen, regulatorische Vorgaben (NIS2, DORA) und der KI-Boom treiben die Nachfrage zusätzlich.

Gleichzeitig stagnieren die Absolventenzahlen in Informatik und Wirtschaftsinformatik. Das Ergebnis: Arbeitgeber öffnen sich systematisch für Quereinsteiger und investieren in strukturierte Onboarding-Programme – gerade Cloud-Anbieter, IT-Beratungen und größere Konzern-IT-Abteilungen haben hier eigene Programme aufgesetzt.

Ideale Quereinsteiger-Profile

Nicht jeder Quereinstieg funktioniert gleich gut. Diese Hintergründe sind in der Tech-Branche besonders gefragt:

Konkrete Einstiegswege

Je nach Ihrem Hintergrund gibt es verschiedene Wege in die Tech-Branche:

Weg 1: Direkteinstieg mit IT-Studium oder Ausbildung

Wenn Sie Wirtschaftsinformatik, Informatik, Computer Science oder eine IT-Ausbildung (Fachinformatiker Systemintegration / Anwendungsentwicklung) abgeschlossen haben, können Sie oft direkt als Junior-Sysadmin, Junior-DevOps-Engineer oder SOC-Analyst einsteigen. Die meisten Arbeitgeber bieten 3–6 Monate strukturiertes Onboarding mit Mentor.

Weg 2: Bootcamps und Zertifizierungs-Pfade

Cloud- und Security-Zertifikate sind die wichtigste Währung der Tech-Branche. Realistische Einstiegspfade: AWS Certified Cloud Practitioner / Solutions Architect Associate, Microsoft Azure Fundamentals (AZ-900) / Administrator (AZ-104), RHCSA für Linux, CompTIA Security+ und CEH für Cybersecurity. Dauer: 3–12 Monate, Kosten: 1.500–15.000 Euro je nach Format und Anbieter.

Weg 3: Quereinsteiger-Programme bei IT-Beratungen und Cloud-Anbietern

IT-Beratungen wie T-Systems, Capgemini, Accenture und kleinere Cloud-Spezialisten bieten bezahlte Quereinsteiger-Programme an – oft 6–12 Monate Onboarding mit klarem Entwicklungspfad. AWS, Microsoft und Google haben eigene Re/Skill-Programme für Quereinsteiger in Cloud-Rollen.

Weg 4: Bottom-up über Helpdesk und IT-Support

Der klassische Pfad: First- oder Second-Level-Support → Junior System Administrator → Spezialist für Cloud, Security oder Netzwerk. Dauer typischerweise 3–5 Jahre. Vorteil: Sie verdienen vom ersten Tag an und sammeln direkten Praxis-Bezug.

Was Quereinsteiger verdienen

Die Einstiegsgehälter für Tech-Quereinsteiger liegen typischerweise 10–20 % unter dem Niveau erfahrener IT-Fachkräfte – aber deutlich über dem Einstiegsgehalt vieler anderer Branchen:

Wichtig

Verkaufen Sie sich nicht unter Wert. Ihre Vor-Erfahrung hat einen messbaren Wert – Projektmanagement-Skills, analytisches Denken, Englisch-Kompetenz und ein technisches Mindset sind direkt übertragbar. Ein vorhandenes GitHub-Portfolio oder ein Homelab-Setup verdoppelt im Bewerbungsgespräch oft die Verhandlungsposition.

Typische Herausforderungen beim Quereinstieg

Ein ehrlicher Blick auf die Hürden hilft bei der Vorbereitung:

5 Tipps für den erfolgreichen Einstieg

  1. Bauen Sie ein GitHub-Portfolio auf: Side-Projects, Beiträge zu Open-Source-Projekten und ein dokumentiertes Homelab-Setup machen Sie für Recruiter sichtbar – oft mehr als ein klassischer Lebenslauf.
  2. Holen Sie sich ein Cloud-Zertifikat zuerst: AWS Cloud Practitioner oder Azure Fundamentals (AZ-900) sind die niedrigste Einstiegshürde und signalisieren konkrete Fachkenntnis. Vorbereitungsdauer: 4–8 Wochen, Prüfungsgebühr: 100–120 Euro.
  3. Nutzen Sie einen spezialisierten Personalberater: Ein auf Tech spezialisierter Headhunter kennt die Arbeitgeber, die offen für Quereinsteiger sind, und kann Ihre Erfahrung gegenüber Hiring Managern richtig positionieren.
  4. Engagieren Sie sich in Communities: r/sysadmin, r/devops und r/cybersecurity, lokale DevOps-Meetups, BSides-Konferenzen oder Cloud-User-Groups beschleunigen Ihre Einarbeitung und liefern Mentoren-Kontakte.
  5. Bauen Sie ein Homelab auf: Ein Raspberry Pi mit Pi-hole, ein Self-Hosted-Setup mit Docker oder ein kleines Kubernetes-Cluster auf gebrauchter Hardware kostet wenig und liefert Praxis-Punkte, die Sie im Bewerbungsgespräch konkret zeigen können.